{"id":31,"date":"2025-01-10T09:26:25","date_gmt":"2025-01-10T09:26:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.king-of-rock.de\/?p=31"},"modified":"2026-01-21T17:15:11","modified_gmt":"2026-01-21T17:15:11","slug":"72-geschlechter-und-ahnliche-aussagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.king-of-rock.de\/index.php\/2025\/01\/10\/72-geschlechter-und-ahnliche-aussagen\/","title":{"rendered":"Provokante Zahlen in der Gender-Debatte: Herkunft und Einordnung von \u201e72 Geschlechtern\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>In sozialen Netzwerken und Debatten tauchen oft provokante Aussagen wie <em>\u201eEs gibt 72 Geschlechter\u201c<\/em> oder <em>\u201eMittlerweile sogar 76 Geschlechter\u201c<\/em> auf. Solche Zahlen werden meist sp\u00f6ttisch verwendet, um die <strong>Geschlechtervielfalt<\/strong> oder Gender-Themen ins L\u00e4cherliche zu ziehen. H\u00e4ufig fallen dann auch ironische Spr\u00fcche wie <em>\u201eIch identifiziere mich als Apache-Kampfhubschrauber\u201c<\/em>. Im Folgenden untersuchen wir, woher diese konkreten Zahlen stammen, ob es seri\u00f6se Quellen daf\u00fcr gibt, und wie sie aus dem Kontext gerissen werden, um Gender-Diversity zu karikieren. Au\u00dferdem wird erl\u00e4utert, wie solche Zahlen zustande kommen und was tats\u00e4chlich dahinter steckt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ursprung in seri\u00f6sen Quellen oder Wissenschaft?<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Wissenschaftlich<\/strong> ist keine fixe Zahl von z.\u202fB. <em>genau<\/em> 72 oder 76 Geschlechtern anerkannt \u2013 Gender Studies und Psychologie sprechen vielmehr von einem <strong>Spektrum<\/strong> oder Kontinuum der Geschlechtsidentit\u00e4ten, ohne eine endliche Liste. Allerdings gibt es <em>Informationsquellen<\/em>, die solche Zahlen nennen. Ein Beispiel ist ein medizinischer Info-Artikel (MedicineNet) von Dr. Shaziya Allarakha. Dort hei\u00dft es: <em>\u201eNeben m\u00e4nnlich und weiblich gibt es 72 weitere Gender-Identit\u00e4ten\u201d<\/em>. In dieser Liste werden zahlreiche Begriffe von <strong>Agender<\/strong> (keine Geschlechtsidentit\u00e4t) bis <strong>Two-Spirit<\/strong> aufgez\u00e4hlt. Wichtig ist: Solche Listen in popul\u00e4ren Artikeln sind <em>beschreibend<\/em> gemeint \u2013 sie versuchen g\u00e4ngige <em>Begriffe<\/em> f\u00fcr Identit\u00e4ten zusammenzutragen, erwecken aber teilweise den Eindruck, es g\u00e4be eine feststehende Anzahl \u201evon der Wissenschaft definierter\u201c Geschlechter. Das ist <strong>nicht<\/strong> der Fall; die tats\u00e4chliche Vielfalt l\u00e4sst sich nicht auf eine starre Zahl festlegen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Offizielle Stellen<\/strong> oder Gesetzestexte nennen in der Regel keine derart hohen Zahlen. Staaten erkennen meist 2 oder 3 Geschlechtskategorien (z.\u202fB. in Ausweisen) an. Allerdings haben <strong>Social-Media-Plattformen<\/strong> und Organisationen mit LGBT*-Bezug aus praktischen Gr\u00fcnden umfangreiche <em>Listen<\/em> erstellt, was zum Ursprung solcher Zahlen f\u00fchrte (siehe n\u00e4chster Abschnitt). Diese Listen sind wohl die <strong>Quelle<\/strong>, aus der die vielzitierten Zahlen wie 72 oder 76 \u00fcberhaupt entnommen wurden. Eine <strong>akademische Quelle<\/strong>, die seri\u00f6s genau \u201e72 Geschlechter\u201c behauptet, gibt es nicht \u2013 vielmehr stammen die Zahlen aus Auflistungen von Identit\u00e4ten, nicht aus Biologie-Lehrb\u00fcchern.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Soziale Netzwerke und Listen als Ursprung der Zahlen<\/h2>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich gehen die genannten Zahlen zu einem gro\u00dfen Teil auf <strong>Auswahloptionen von sozialen Netzwerken<\/strong> zur\u00fcck. Ein prominentes Beispiel ist Facebooks Einf\u00fchrung zus\u00e4tzlicher Geschlechtsoptionen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Facebook (2014)<\/strong> f\u00fchrte im englischsprachigen Raum zun\u00e4chst ~50 neue <strong>Custom Gender<\/strong>-Optionen ein (zus\u00e4tzlich zu \u201emale\u201c und \u201efemale\u201c). In Deutschland wurden wenig sp\u00e4ter <strong>60 Bezeichnungen<\/strong> eingef\u00fchrt. Diese Liste umfasste etwa <em>\u201eandrogyner Mensch\u201c<\/em>, <em>\u201ebigender\u201c<\/em>, <em>\u201eTrans<\/em> Frau\u201c* usw. \u2013 erarbeitet mit dem Lesben- und Schwulenverband, der anmerkte, dass manche Begriffe <em>scheinbar dasselbe bedeuten<\/em>. Der Grund: es gab (und gibt) keine einheitlichen Begriffe, also wurden Synonyme mit aufgenommen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Sp\u00e4tere Erweiterungen<\/strong>: In Gro\u00dfbritannien erweiterte Facebook auf <strong>\u00fcber 70<\/strong> Geschlechtsoptionen. Auch in anderen L\u00e4ndern\/Sprachen variierte die Zahl leicht. Ein Experte beschreibt: <em>\u201e2014 hat Facebook 56 zus\u00e4tzliche Labels hinzugef\u00fcgt (mit m\u00e4nnlich\/weiblich waren es 58). Sp\u00e4ter waren es \u00fcber 70 Labels.\u201c<\/em>. Hier liegt offenbar der Kern der oft genannten \u201e72\u201c \u2013 Facebook bot zeitweise um die 70 <strong>Identit\u00e4ts-Labels<\/strong> an, was viele Leute vereinfacht als \u201e72 Geschlechter bei Facebook\u201c kolportierten.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Tumblr &amp; Online-Communities<\/strong>: Unabh\u00e4ngig von Facebook entstanden auf Plattformen wie Tumblr umfangreiche <strong>Gender-Masterlists<\/strong> in LGBT*-Communities. Dort wurden Dutzende bis Hunderte mikrospezifische Begriffe f\u00fcr Genderidentit\u00e4ten gesammelt. In englischsprachigen Foren entstand daraus sp\u00f6ttisch der Ausdruck <em>\u201e76 genders\u201c<\/em>. Dieses Schlagwort bezieht sich auf die <strong>wachsende Zahl exotischer Gender-Begriffe<\/strong> in bestimmten Internetkreisen. Die Zahl <em>76<\/em> war dabei nie eine offizielle Vorgabe \u2013 es handelt sich um einen <strong>Running Gag<\/strong> bzw. \u00fcberzeichneten Verweis auf Tumblr-Listen, die st\u00e4ndig l\u00e4nger wurden. (\u201e76\u201c stand sinnbildlich f\u00fcr \u201esehr viele\u201c und wurde in Memes aufgegriffen, obwohl die Tumblr-Listen teils <em>\u00fcber<\/em> 100 Begriffe enthielten.)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Zusammengefasst stammen die konkreten Zahlenangaben also haupts\u00e4chlich aus <strong>praktischen Listen<\/strong> (wie den Profil-Optionen gro\u00dfer Plattformen oder Community-Masterlists). Facebooks vielfach diskutierte Gender-Liste \u2013 mit anf\u00e4nglich 50\u201360 und sp\u00e4ter 70+ Optionen \u2013 ist vermutlich <strong>die Quelle f\u00fcr \u201e72 Geschlechter\u201c<\/strong>. Die Zahl <em>76<\/em> hingegen entstammt eher der Internet-Folklore rund um Tumblr und wurde nie von einer offiziellen Stelle so festgehalten, hat sich aber als Meme verselbstst\u00e4ndigt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Aus dem Kontext gerissen und als Spott verwendet<\/h2>\n\n\n\n<p>Die erw\u00e4hnten Zahlen werden in \u00f6ffentlichen Debatten fast <em>nie<\/em> im ernsthaften Kontext genannt, sondern meist um sich \u00fcber <em>Gender Studies oder Trans\/Nonbinary-Menschen lustig zu machen<\/em>*. Die urspr\u00fcnglichen Listen hatten zum Ziel, Menschen mehr <strong>Ausdrucksm\u00f6glichkeiten<\/strong> zu geben \u2013 doch Kritiker pr\u00e4sentieren die blanke Zahl gern so, als w\u00fcrde behauptet, es g\u00e4be z.\u202fB. 72 <em>biologische Geschlechter<\/em>. Das ist ein <strong>Missverst\u00e4ndnis<\/strong> (teils absichtlich gestreut):<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Bei Facebook ging es um <strong>Identit\u00e4tsbezeichnungen<\/strong>, <strong>keine neuen biologischen Geschlechter<\/strong>. Dennoch wurde in polemischen Kommentaren daraus \u201eFacebook f\u00fchrt 72 Geschlechter ein!\u201c Viele verstehen oder verdrehen es so, als w\u00fcrde behauptet, es g\u00e4be 72 klar abgrenzbare Geschlechterkategorien in der Realit\u00e4t \u2013 was die Sache nat\u00fcrlich l\u00e4cherlich erscheinen l\u00e4sst.<\/li>\n\n\n\n<li>Diese Verzerrung wird oft mit sarkastischen Beispielen kombiniert. Ein bekanntes Meme ist <em>\u201eI sexually identify as an attack helicopter\u201c<\/em> \u2013 im Deutschen oft: <em>\u201eIch identifiziere mich als Apache-Kampfhubschrauber\u201c<\/em>. Es entstand 2014\/2015 auf Reddit\/4chan und <em>diente ausdr\u00fccklich dazu, trans und nichtbin\u00e4re Personen zu verspotten<\/em>*. Die Logik dahinter: <em>\u201eWenn es 72 Geschlechter gibt, dann kann ja jeder beliebigen Unsinn als Geschlecht behaupten, z.B. Hubschrauber.\u201c<\/em> Dieses Strohmann-Argument soll Gender-Diversity absurd erscheinen lassen. (Tats\u00e4chlich <em>gibt<\/em> es nat\u00fcrlich keinen seri\u00f6sen Ansatz, Spezies oder Objekte als \u201eGeschlecht\u201c zu definieren \u2013 das Beispiel ist reine Polemik.)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Politische Polemik<\/strong>: In Deutschland haben sich insbesondere rechtskonservative Kreise dieser Zahlen bedient. So zog etwa ein AfD-Abgeordneter im Bundestag h\u00f6hnisch \u00fcber <em>\u201e72 Geschlechter\u201c<\/em> her \u2013 in einer Aufz\u00e4hlung dessen, was bei \u201elinks-gr\u00fcner\u201c Politik angeblich herauskomme, rief er: <em>\u201e\u2026er bekommt offene Grenzen, Massenmigration, <strong>72 Geschlechter<\/strong> und die rot-gr\u00fcne Regenbogenflagge\u2026\u201c<\/em>. Solche Aussagen l\u00f6sen bei Anh\u00e4ngern Gel\u00e4chter oder Applaus aus, weil sie die <strong>\u00dcberzeichnung<\/strong> verstehen: Die Zahl 72 symbolisiert hier das vermeintlich Absurde \u201eGender-Wahn\u201c-Ideal der politischen Gegenseite. Auch in Kommentarspalten findet man sarkastische Hinweise, <em>neben \u201eM\u00e4nnlein und Weiblein\u201c m\u00fcssten ja nun auch \u201edie anderen 72 Geschlechter\u201c ber\u00fccksichtigt werden<\/em>, oft in einem Atemzug mit Forderungen nach Gendersternchen, \u201eQuoten f\u00fcr Divers*\u201c usw. \u2013 all das als <strong>Spott \u00fcber Diversit\u00e4t<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Kurz gesagt: Die Zahlen wurden zum <strong>Kampfbegriff<\/strong>. Kaum jemand, der \u201e72 (oder 76) Geschlechter\u201c sagt, tut das in neutral-wissenschaftlicher Absicht. Es ist fast immer ein <em>sarkastisches Zitat<\/em> \u2013 entweder um die Vielfalt der Geschlechtsidentit\u00e4ten ins L\u00e4cherliche zu ziehen oder um anti-progressive Stimmung zu machen. Dabei wird ignoriert (oder nicht verstanden), was diese Zahlen urspr\u00fcnglich bedeuten sollten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie kommen solche hohen Zahlen zustande?<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein wichtiger Punkt zum Verst\u00e4ndnis: <strong>Was genau wird da gez\u00e4hlt?<\/strong> Die hohen Zahlen ergeben sich nicht dadurch, dass pl\u00f6tzlich Dutzende unbekannte \u201ebiologische Geschlechter\u201c entdeckt wurden \u2013 sondern durch die <em>Aufz\u00e4hlung von Begriffen f\u00fcr Geschlechts<strong>identit\u00e4ten<\/strong><\/em>. Diese Begriffe k\u00f6nnen sehr fein unterscheiden, teilweise auch synonym sein. Einige Gr\u00fcnde, warum Listen auf 50+ Eintr\u00e4ge kommen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Synonyme und Varianten<\/strong>: In Facebooks deutscher 60er-Liste waren Begriffe enthalten, die sich stark \u00fcberschneiden. Beispielsweise tauchten sowohl <em>\u201eTrans-Mann\u201c<\/em> als auch <em>\u201etrans<\/em> Mann\u201c* (mit Sternchen) und <em>\u201eTransgender Mann\u201c<\/em> auf \u2013 im Kern sehr \u00e4hnlich. Ebenso gab es <em>\u201eCisgender Frau\u201c<\/em>, <em>\u201eCis-Frau\u201c<\/em> usw.. Der LSVD erkl\u00e4rte dazu, man habe verschiedene Begriffe aufgenommen, weil es (2014) <em>keine einheitliche Terminologie<\/em> gab und verschiedene Menschen unterschiedliche Worte bevorzugen. Daher z\u00e4hlen manche Listen faktisch gleiche oder sehr \u00e4hnliche Identit\u00e4ten mehrfach. Kritiker au\u00dfenstehend sehen dann nur die Zahl <em>X<\/em> und halten f\u00e4lschlich <em>X vollkommen unterschiedliche Geschlechter<\/em> f\u00fcr behauptet.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Feinere Identit\u00e4ten<\/strong>: Manche Labels unterscheiden Aspekte, die im Alltag selten als \u201eeigenes Geschlecht\u201c gesehen w\u00fcrden. Z.\u202fB. <em>\u201eBigender\u201c<\/em> (zwei Geschlechtsidentit\u00e4ten), <em>\u201eAgender\u201c<\/em> (keine Identit\u00e4t), <em>\u201eGenderfluid\u201c<\/em> (wechselnde Identit\u00e4t) \u2013 all dies sind <strong>Selbstbeschreibungen<\/strong> f\u00fcr pers\u00f6nliche Identit\u00e4tsgef\u00fchle. Sie erweitern das Verst\u00e4ndnis von Gender, aber sind nicht vergleichbar mit den traditionellen Kategorien <em>Mann\/Frau<\/em>. Eine Liste kann also schnell Dutzende solcher Identit\u00e4ten sammeln, ohne dass die breite \u00d6ffentlichkeit sie alle kennt oder nutzt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Community-Pr\u00e4gungen<\/strong>: Besonders auf Plattformen wie Tumblr entstanden sehr spezifische Begriffe (z.\u202fB. <em>\u201caerogender\u201d<\/em>, <em>\u201camicagender\u201d<\/em>, <em>\u201cvoregender\u201d<\/em> usw.), oft von Einzelpersonen gepr\u00e4gt. Viele davon existieren <em>fast nur in diesen Communities<\/em>. Eine Masterlist f\u00fchrt sie der Vollst\u00e4ndigkeit halber auf \u2013 auch wenn vielleicht nur eine Handvoll Menschen sich je so bezeichnete. So kommt etwa die im Netz kursierende Liste von <em>72 Gendern<\/em> zustande: Sie enth\u00e4lt neben etablierten Identit\u00e4ten auch etliche Nischenbegriffe aus Internet-Subkulturen. Die hohe Zahl spiegelt also eher die <strong>Kreativit\u00e4t<\/strong> (und teils Satire) der Community wider, nicht eine offiziell anerkannte Vielfalt im t\u00e4glichen Leben.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Zusammengefasst:<\/strong> Die Zahlen 72, 76 etc. entstehen durch das <strong>Zusammenz\u00e4hlen aller m\u00f6glichen Bezeichnungen<\/strong> f\u00fcr Geschlechtsidentit\u00e4ten. Dabei werden Synonyme, Feinabstufungen und seltene Begriffe mitgez\u00e4hlt, um niemanden auszuschlie\u00dfen. Es handelt sich um <strong>Labels<\/strong>, nicht um klar trennbare, v\u00f6llig unterschiedliche Geschlechter im biologischen Sinn. Wenn Gegner der Gender-Vielfalt diese Zahlen ins Feld f\u00fchren, ziehen sie meist <em>falsch gleich<\/em>, dass hier \u201eX echte Geschlechter\u201c gefordert w\u00fcrden \u2013 w\u00e4hrend es in Wahrheit um Identit\u00e4tsbeschreibungen innerhalb eines breiten Spektrums geht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p>Die oft zitierten Zahlen wie \u201e72 Geschlechter\u201c haben einen wahren Kern: Sie gehen auf real existierende <strong>Listen von Geschlechtsidentit\u00e4ten<\/strong> zur\u00fcck \u2013 prominent etwa Facebooks erweiterte Gender-Optionen oder Community-Glossare. <strong>Seri\u00f6se Quellen<\/strong> im Sinne wissenschaftlicher Publikationen nennen solche Fixzahlen jedoch nicht als endg\u00fcltige Wahrheit; die Zahl ist eher eine <em>praktische Auflistung<\/em>. Die Werte 72 oder 76 wurden vor allem in sozialen Medien popul\u00e4r, nachdem sie aus dem Kontext gerissen wurden. Sie werden gezielt genutzt, um <strong>Spott \u00fcber Gender-Mainstreaming<\/strong> zu verbreiten, indem man suggeriert, Progressive w\u00fcrden Dutzende absurde Geschlechter \u201eerfinden\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Analyse zeigt, dass diese Zahlen <em>bewusst missverstanden<\/em> werden: Die Listen sollten Vielfalt zeigen, keine Verbindlichkeit schaffen. Begriffe in solchen Listen \u00fcberschneiden sich oft oder sind Spezialf\u00e4lle \u2013 sie sollen Menschen erm\u00f6glichen, eine passende Bezeichnung f\u00fcr ihr Identit\u00e4tsgef\u00fchl zu finden, <strong>ohne<\/strong> zu behaupten, es g\u00e4be dutzende neue biologische Geschlechterarten. Wer also das n\u00e4chste Mal von \u201e72 (oder 76\u2026) Geschlechtern\u201c h\u00f6rt, sollte wissen: Das ist ein <strong>Zahlenspiel aus dem Internet<\/strong>. Es gibt nicht eine feststehende Zahl von Geschlechtern, sondern eine offene Vielfalt an Identit\u00e4ten. Die Zahlen wurden nur zum <strong>politischen Schlagwort<\/strong>, meist ohne Verst\u00e4ndnis des eigentlichen Kontexts. Seri\u00f6se Betrachtung von Gender spricht lieber \u00fcber <em>Spektren<\/em> und <em>Identit\u00e4ten<\/em> als \u00fcber das Abz\u00e4hlen von Geschlechtern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Quellen:<\/strong> Die Herkunft und Verbreitung der Zahlen wurde anhand verschiedener Belege nachvollzogen \u2013 u.a. Facebooks offiziell eingef\u00fchrte Gender-Optionen, medizinische Infoartikel mit Gender-Glossar, sowie Beispiele daf\u00fcr, wie diese Zahlen in Debatten eingesetzt werden. Diese Quellen zeigen klar: <em>\u201e72 Geschlechter\u201c<\/em> entstammt keinem wissenschaftlichen Konsens, sondern dem Zusammentreffen von <strong>gut gemeinter Inklusivit\u00e4t und polemischer Zuspitzung<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In sozialen Netzwerken und Debatten tauchen oft provokante Aussagen wie \u201eEs gibt 72 Geschlechter\u201c oder \u201eMittlerweile sogar 76 Geschlechter\u201c auf. 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